Arbeitsgemeinschaft
der Frauenverbände und
politische Interessensvertretung
der Frauen in Baden-Württemberg
 

Arme Frauen, reiches Land - Neue Schwerpunktthemen des Landesfrauenrats

Pressemitteilung 1-2012
Arme Frauen, reiches Land –Neue Schwerpunktthemen des Landesfrauenrats
Drei Leitthemen beschloss der neu gewählte Vorstand des Landesfrauenrats Baden-
Württemberg (LFR) auf seiner Klausurtagung für seine Legislaturperiode bis zum Ende des Jahres 2014. An erster Stelle steht eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung mit dem Armutsrisiko für Frauen. „Es sei nicht hinnehmbar, dass ein wirtschaftlich prosperierendes Bundesland wie Baden-Württemberg in Fragen der von Armut betroffenen Frauen nicht mehr Engagement zeigt“, so die Vorsitzende Angelika Klingel. Hier gilt es für die nächsten Jahre in Anlehnung an den Gleichstellungsbericht der Bundesregierung eine
sorgfältige Analyse vorzunehmen und in der Konsequenz wirksame und spezifische Instrumente zu entwickeln. Diese müssen nicht nur dem Armutsrisiko für Frauen präventiv entgegenwirken, sondern auch den derzeit von Armut betroffenen Frauen konkrete Unterstützung und Hilfestellungen bieten.
„Arm dran statt gut versorgt“ seien Frauen auch im Bereich Gesundheit, formuliert die 2. Vorsitzende Marie–Luise Linckh, einen weiteren Schwerpunkt. Obwohl viele Leistungen in Gesundheit und Pflege mehrheitlich durch Frauen erbracht werden, sei es in der professionellen Pflege oder in der privaten Versorgung von Familienangehörigen, sind sie doch durch die Rahmenbedingungen des herrschenden Gesundheitssystems vielfach benachteiligt.
So erhalten Frauen z.B. häufig veraltete Medikamente mit auffälligeren Nebenwirkungen; Symptome z.B. für Herzinfarkte werden später oder nicht rechtzeitig erkannt, da eine geschlechterdifferenzierte Diagnose weiterhin nur selten vorgenommen wird. Die derzeitige Struktur des Gesundheits- und Pflegesystems ist auf die Erbringung privater Pflegeleistungen angewiesen, erst recht vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. „Trotzdem ist es ein beschämendes Ergebnis, wenn statistisch belegbar sei, dass Frauen im Schnitt 8 Jahre andere Personen pflegen, selbst jedoch nicht gepflegt werden“, so Klingel.
Ein weiteres Armutszeugnis bietet auch ein Blick auf die Besetzung von Führungsfunktionen mit Frauen. Obwohl die heutige Frauengeneration über die besten Qualifikationen verfügt, ist die Repräsentanz in entsprechenden Funktionen ungenügend. Dies betrifft nicht nur den Bereich der Wirtschaft sondern auch die Politik. „Wenn Frauen weiterhin in diesem Ausmaß
von der Gestaltung ihrer Rahmenbedingungen in der Erwerbstätigkeit ausgeschlossen werden, in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens an „Gläserne Decken“ stoßen, ist es nur eine logische Folge, dass sich bezüglich der Umsetzung längst im Grundgesetz verankerter Gleichstellung nur wenig verändert“, bilanziert Vorstandsfrau Claudia Sünder.
Fachkräftemangel trotz qualifizierter Frauen, Barrieren im beruflichen Wiedereinstieg, Entgeltungleichheit, Karriereknick durch Familienphase – diese Schlagworte der
Benachteiligung begleiten die weibliche Erwerbstätigkeit und verhindern Gleichstellung. Um angemessene politische Partizipation für Frauen zu ermöglichen, engagiert sich der
Landesfrauenrat – übrigens bereits seit 1975 - und fordert eine Veränderung des Kommunalwahlrechts in Baden-Württemberg in Anlehnung an das Beispiel des französischen Parité-Gesetzes.
Kontakt: Claudia Sünder, LFR-Vorstand Mobil: 0174 2466 419


Gender auch im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gefordert.

Pressemitteilung 2-2012

Gender auch im Karlsruher Institut für Technologie (KIT)gefordert.
Stellungnahme des Landesfrauenrates formuliert Handlungsbedarf

Grundsätzlich begrüßt der Landesfrauenrat Baden-Württemberg (LFR), dass das KIT in Fragen der Gleichstellung und Chancengleichheit die Möglichkeit erhält, entsprechende Regelungen eigenständig zu treffen, heißt es in der Stellungnahme des LFR zum Gesetzesentwurf zur Weiterentwicklung des KIT (KITWG). Damit kann das KIT in diesem wichtigen Feld gesellschaftlicher Weiterentwicklung innovativ und beispielgebend für andere Forschungseinrichtungen wirken. Der LFR sieht die Landesregierung und das KIT in der gesellschaftlichen Verantwortung, dies auch offensiv zu tun und die nötigen Strukturen und Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.
Bezugnehmend auf die Koalitionsvereinbarung zwischen Bündnis 90/Die Grünen und der SPD Baden-Württemberg erwartet der Landesfrauenrat die Umsetzung des Gender Mainstreaming–Prinzips und der geschlechtergerechten Haushaltsführung (Gender Budgeting) als Grundlagen für das Handeln und Wirtschaften des KIT. Ferner mahnt der LFR die Durchführung einer geschlechtergerechten Gesetzesfolgenabschätzung an.
Handlungsbedarf gebe es grundsätzlich in der Schaffung geeigneter Strukturen zur Sicherstellung der Beteiligung von Frauen in Entscheidungsgremien, in der aktiven Förderung von Frauen in MINT-Studienrichtungen sowie in der Integration der Gender Dimension als Inhaltsqualität in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.

Kontakt: Claudia Sünder, LFR-Vorstand Mobil: 0174 2466 419


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